Christen auf der Buchmesse
Die Buchmesse in Vilnius (Vilniaus knygų mugė) ist in jedem Jahr ein Höhepunkt im Kulturleben des Landes. Immer um das letzte Februarwochenende herum strömen von Donnerstag bis Sonntag über fünfzigtausend Besucher in die Hallen des Messegeländes am Fluss Nėris. Alle wichtigen litauischen Verlage präsentieren ihre Produkte, ingesamt über dreihundert Unternehmen und Institutionen nehmen an der Messe teil. Ebensoviele Veranstaltungen, meist Buchvorstellungen, prägen das Programm.
Die seit fast dreißig Jahren veranstaltete Buchmesse ist die grösste im Baltikum und vor allem eine Publikums- und Verkaufsmesse. Die Verlage machen Werbung für ihre Neuausgaben und ziehen mit vielen Schnäppchen Käufer an. Die Messe ist für sie eine gute Gelegenheit, mit Niedrigpreisen die Lager leer zu machen. An zahlreichen Ständen geben Autoren Autogrammstunden.
Gerade am Samstag strömen Massen durch die Hallen. Da man mit seinem Verlagsprogramm von vielen wahrgenommen wird, sind natürlich auch christliche Medienunternehmen auf der Messe. Immer dabei ist die Bibelgesellschaft Litauens, die inzwischen ein ansehliches Sortiment von verschiedenen Bibelausgaben anbieten kann. Seit einem halben Jahr leitet Tomas Mačeliūnas, Mitglied einer Pfingstgemeinde, die Bibelgesellschaft als Direktor (Präsident, d.h. Vorstandsleiter, ist der lutherische Bischof Litauens).

Direkt nebenan hat der größte katholische Verlag seinen Stand: „Katalikų pasaulio leidiniai“. Der Verlag der Bischofskonferenz ist nach der Zeitschrift „Katalikų pasaulis“ (Katholische Welt) benannt, die von 1989 bis 2004 erschien. Er verlegt in Litauen auch die meisten Schriften von C.S. Lewis, wobei die Narnia-Chroniken vom säkularen Marktführer „Alma littera“ herausgegeben werden (dort sind interessanterweise auch die zwei, drei katholischen Priester unter Vertrag, mit deren Büchern sich richtig Geld verdienen lässt).
Apropos Lewis, der kleinere katholische „Magnificat“-Verlag stellte auf der diesjährigen Messe die Übersetzung von Lewis Till We Have Faces vor (dt. Du selbst bist die Antwort) und arbeitet an einem weiteren Buch des bekannten, 1963 verstorbenen britischen Autors und Apologeten.

Von den katholischen Verlagen ist nur noch „Artuma“ der litauischen Caritas zu nennen. Ihr gleichnamiges monatliches Journal ist die letzte verbliebene katholische Zeitschrift und richtet sich an ein breites Publikum (daneben gibt es nur noch die Zeitung „XXI amzius“).
Einen kleinen Stand hat der Verlag „Abigailė“ von Jurgis Šečkus (s.u. Foto). Er verlegt Bücher u.a. von John Eldredge, Philip Yancey, Henry Cloud, Rob Bell und Anselm Grün. Mit seiner Frau gaben sie bis vor einigen Jahren das christliche Frauenmagazin „Tapati“ heraus, das aber eingestellt werden musste. Vor über dreißig Jahren war Jurgis der erste Mitarbeiter von LKSB (IFES in Litauen), wechselte noch in den 90er Jahren zu Agape (Campus für Christus) und machte sich später als Übersetzer und Verleger selbständig.

GNC, das „Gute Nachricht–Zentrum“ (Gerosios naujienos centras), betreibt ein Radioprogramm („xfm“), macht Veranstaltungsmanagment und verlegt auch Literatur. Übersetzt wurden u.a. Bücher von Max Lucado, Josh McDowell oder Timothy Keller (Reasons for God, The Meaning of Marriage). Auf der Buchmesse stellte GNC wieder seine Zeitschrift für Kinder und das Buchprogramm vor. GNC ist übrigens Mieter der reformierten Kirche, hat Räume im Gebäude neben der Kirche in Vilnius angemietet.

Seit der Reformationsjubiläum 2017 kooperieren auch die Evangelikalen auf der Buchmesse. Schon seit einigen Jahren hat „Ganytojas“ (Hirte) ein Stand. Der Verlag des Bundes evangelischer Gemeinden, mit dem wir als Reformierte seit zehn Jahren zusammenarbeiten, stellt vor allem seine Bibelausgabe vor. Daneben gibt der Verlag eine Kinderbuchreihe heraus, die Autorin ist Mitglied der Gemeinde in Vilnius. Auch evangelikaler Klassiker wie Effektives Bibelstudium (so der dt. Titel von G. Fee/ D. Stuart) hat „Ganytojas“ im Programm.
Seit Jahren teilt sich „Ganytojas“ den Stand mit dem Reformierten Literaturzentrum (Reformatų literatūros centras, RLC). Dieser vor Jahrzehnten von Vida Jurkovič, einer aus Australien stammenden Litauerin, gegründete Verlag ist unabhängig von der reformierten Kirche Litauens. Julius Jonušas, Mitglied einer Baptistengemeinde in Vilnius, ist inzwischen seit vielen Jahren Direktor und Eigentümer von RLC. Als Kirche arbeiten wir mit ihm gut zusammen. Vor sechs Jahren erschien in Kooperation die litauische Ausgabe des Belgischen (oder Niederländischen) Bekenntnisses.

Das RLC gibt litauische Übersetzungen von reformierten, baptistischen und puritanischen Klassikern heraus: John Bunyan, C.H. Spurgeon, J.C. Ryle, Louis Berkhof oder William Hendrickson. Nun kommen auch mehr und mehr Autoren der Gewgenwart hinzu wie Sam Alberry mit Is God anti-gay?, Kevin DeYoung (Crazy Busy, The Biggest Story) oder R.C. Sproul (Does God Exist?). Kurz vor der Messe erschien Dane Ortlunds Bestseller Gently and Lowly (lit. Romus ir nuolankus, dt. Gütig und sanft). Am Freitag war Holger wieder wie schon vor zwei Jahren mit Julius am Stand und führte einige gute Gespräche mit Besuchern der Messe.


